Ist zum Thema Literatur in den German Studies, also im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht ebenso wie in den Sozialwissenschaften und anderswo, tatsächlich schon alles gesagt? Oder sind die Eisen heiß geblieben, auch wenn sie gerade nicht mehr so oft geschmiedet werden? Dieser Beitrag ist ehrlich genug, seine Absicht schon im Titel zu tragen: Er ist eine Provokation an die Leser von Neues Curriculum, mit ihren Ansichten und ihren eigenen “best practices” auf das Problem von Literatur als Quelle, Literaturunterricht, Literatur im Sprachunterricht zu antworten. Kommentare sind erbeten. Größere Texte (ab ca. 800 Wörtern) stellt die Redaktion gerne als eigene Beiträge in die Zeitschrift ein.
Literatur in den German Studies: Eine Provokation
I.
Wo bleibt eigentlich die Literatur? Wer spricht heute noch über Literatur? Wer liebt sie noch? Wer kennt sich noch aus?
Über die Kollegen aller Fachbereiche will ich gar nicht sprechen. Den Studenten ist es meist peinlich, spricht man sie vor Kursbeginn auf das Buch an, mit dem sie die Pause füllen. Viele entgegnen möglichst schnell, das sei nur für einen anderen Kurs; andere haben dabei, was man selbst nicht kennt und deshalb kaum mit spitzen Fingern anfassen will: Fantasy-Reihenschmöker, knallige Mangas, gelegentlich rührenderweise einen Hesse-Band, oder Ayn Rand.
Wo ist die gesellschaftliche, die akademische Kompetenz für Literatur geblieben? (…)